7-Tage-Inzidenzen


SK Wilhelmshaven/LK Wesermarsch/SK Oldenburg



Der Zahlenwald im Zusammenhang mit Corona ist nicht einfach zu durchschauen. So gibt es auch bei den 7-Tage-Inzidenzen im Wesentlichen zwei unterschiedliche Werte, den fixierten Wert und den aktualisierten Wert. Der fixierte Wert schreibt dabei die jeweils an dem Tag gemeldeten Werte fort, während der aktualisierte Wert aufgrund von Nachmeldungen rückwirkend die Zahlen des vergangenen Monats revidiert. Die Politik verwendet natürlich gerne die fixierten Werte, da diese im Allgemeinen niedriger liegen, insbesondere wenn als Entscheidungsgröße eine Größe definiert wird, die die Überschreitung eines Schwellenwertes über mehrere Tage voraussetzt. Eine gesundheitspolitische Entscheidung allerdings auf einer veralteten Datenbasis zu treffen ist natürlich aus wissenschaftlich rationaler Sicht deutlich zu hinterfragen. Dies ist ein klassisches Beispiel für die Diskrepanz zwischen normativen und positiven Aussagen. Zudem ist wahrscheinlich einigen schon aufgefallen, dass die täglichen Coronakarten des "Spiegel" sich deutlich von denen des "RKI" unterscheiden. Die Erklärung ist eine ähnliche wie oben. Es gibt durch Meldeverzug eine uneinheitliche Datenbasis. Damit gibt es nicht die "richtige" Zahl. Wenn aber Entscheidungen an einen Schwellenwert geknöpft werden, sollte transparent gemacht werden, welche Datenbasis zu Grunde gelegt wird.

Entwicklung der 2. und 4. Welle in Deutschland im Vergleich

Mittlerweile ist Deutschland mitten in der 4. Welle, welche etwa 2 Monate früher als im letzten Jahr gestartet ist. Zurückzuführen ist dies wahrscheinlich auf die ansteckenderen mutierten Virusvarianten, die auch über die Sommermonate leichter übertragbar waren. Der Anstieg verlief anfangs mit der gleichen Dynamik, wie vor einem Jahr, hat aber bezogen auf die 7-Tages-Inzidenz das erste Plateau schon bei 80 und damit bei der Hälfte der 2. Welle erreicht. Da jetzt aber die kalte Jahreszeit erst bevorsteht und die Impfquote mit 75% bei der erwachsenen Bevölkerung noch deutlich zu niedrig für den Übergang von der Pandemie in die Endemie ist, ist in den nächsten Wochen wieder mit einem exponentiellen Anstieg wie im Herbst 2020 zu rechnen.